Unternehmen, Sortimente, Technologien, Produkte, Dienstleistungen: Wo ist die Grenze der Marke(n)?
Ein problembehaftetes Feld innerhalb markenarchitektonischer Überlegungen ist die mangelnde analytische Trennschärfe bei der Abgrenzung von Unternehmens- und Produktmarken. Triebmittel dieser häufig unbewußten begrifflichen Unschärfe ist in der Regel der Wunsch nach maximaler Nutzung der Markenstärke.
Die Probleme dieser Verknüpfung Unternehmen-Produkt zeigen sich häufig in der Kommunikation: Die werbliche Botschaft bleibt unscharf, da weder die Agentur noch der Rezipient eine klare Vorstellung davon entwickeln kann, was dort von wem kommuniziert wird.
In der Praxis sind die "Personalwechsel" in den werblichen Texten untrügliche Anzeichen für diese Unschärfe: Werden im Einstieg noch Produktvorzüge heraus gestellt, liest man weiter unten dann "Wir von xy tun alles, damit...". Auf diese Weise verliert die Kommunikation jede Suggestion von Objektivität, denn die Deckungsgleichheit von Produkt und Absender senkt den Abstand zwischen Aussage und zu bewerbendem Produkt auf Null.

Ein Beispiel für diese Problematik findet sich im Automobilbereich: "Volkswagen" ist nicht nur eine Produktmarke, sondern auch eine Unternehmensmarke und obendrein die über allen Unternehmensmarken liegende Holding. Eine klare Zuordnung der Markenreichweiten fällt so schwer - arbeitet der Ingenieur nun für Audi, die Volkswagen AG oder gar für Porsche? Das Problem ist bekannt, aber das Unternehmen zögert noch.

Konsequent und logisch hat ein anderer Automobilhersteller dieses Problem aufgelöst: Es gibt klare Produktmarken für einzelne Positionierungssegmente und die darüber liegende Holding heißt Daimler. Auf diese Weise kann es erst gar nicht zu einer Verwechslung innerhalb der Markenfunktionen kann.
Für die Markenarchitektur im allgemeinen bedeutet das: Nur eine eingehende Analyse vorliegender und gewünschter Markenstrukturen kann ein Optimum an Markennutzung und Markendominanz sichern. |